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Sätze, die Essgestörte nicht hören wollen!

*Ich benutze in diesem Artikel aus praktischen Gründen ausschließlich die weibliche Form, also die Essgestörte. Damit möchte ich niemanden diskriminieren. Es werden auch immer mehr Jungs und Männer, die an einer Essstörung erkranken und ich hoffe, das diese sich durch meine Ausdrucksweise nicht ausgeschlossen fühlen.

Die Denkvorgänge von Essgestörten sind für gesunde Menschen oft nicht nachvollziehbar und so kommt es hin und wieder zu Situationen in denen man als Freund oder Angehöriger einer Essgestörten* etwas Nettes sagen möchte, es aber total falsch beim anderen ankommt. Gerade auf dem Weg raus aus der Essstörung hat die Essgestörte mit einer Menge Veränderungen umzugehen, was oft alles andere als leicht ist. Es ist wichtig, dass Betroffene gerade in dieser schweren Zeit emotionale Unterstützung von Ihrem Umfeld erfahren. Und damit diese Unterstützung auch wirklich so ankommt, wie vom Absender beabsichtigt und um Missverständnissen vorzubeugen, nenne ich euch vier typische Sätze, die Essgestörte auf keinen Fall hören wollen!

„Das sind ja ganz schöne Mengen, die du da verdrückst!“


Hintergrund: Nach der Essstörung haben die meisten Betroffenen mit extremem Hunger zu kämpfen. Das ist total normal und gehört zur Genesung dazu. Ich selbst habe mehr als das Doppelte meines Tagesbedarfes gegessen. Für Außenstehende ist das oft sehr erstaunlich, weil sie selbst diese Mengen niemals essen könnten. Sie möchten die Betroffene mit diesem Satz keinesfalls angreifen - ganz im Gegenteil ist es so, dass sie damit ausdrücken möchten, wie froh sie sind, dass die Betroffene überhaupt wieder isst.

Wie es bei der Essgestörten ankommt: Die Betroffene weiß selbst, dass ihr Essverhalten nicht normal ist, aber sie weiß auch, dass sie keine andere Wahl hat und nur so wieder gesund werden kann und auf Dauer ein normales Hunger- und Sättigungsgefühl zurückerlangen kann. Wenn ihr dann auch noch jemand vor Augen hält, wie unnormal sie isst, dann führt das zu sehr unguten Gefühlen.

Was kannst du stattdessen tun?: Am allerbesten ist es tatsächlich, dass Essverhalten der Betroffenen überhaupt nicht zu kommentieren und ihr das Gefühl von absoluter Normalität zu vermitteln. Es mag dir schwer fallen, da du ja nur deine Zuneigung ausdrücken möchtest. Aber glaube mir: Alles, was die Essgestörte möchte, ist ein normales Essverhalten. Du kommentierst das Essverhalten von Gesunden ja auch nicht, also versuche es doch auch hier zu unterlassen.

2.

„Und das isst du jetzt? Das hast du doch früher nicht gegessen!“


Hintergrund: Eine Essstörung geht oft mit Restriktion von verschiedenen Lebensmittel(-gruppen) einher. Nahestehende Personen bekommen teilweise über Jahre hinweg mit, dass die Betroffene bestimmte Sachen einfach nicht isst. Niemals. Sie kennen es nicht anders von ihr. Auf dem Weg aus der Essstörung gehört es aber dazu, diese Restriktionen aufzugeben und so kann es dazu kommen, dass man die Essgestörte Dinge essen sieht, die sie früher niemals gegessen hätte. Und auch hier ist es oft so, dass ein Satz wie dieser total positiv gemeint ist und man der Essgestörten damit helfen möchte.

Wie es der Essgestörten ankommt: Es ist nicht so, dass es der Betroffenen leicht fällt, die Dinge zu essen, die sie früher nicht angerührt hat. Und oft trägt sie während dessen einen inneren Kampf aus, den das Umfeld nicht einmal erahnen kann. Wenn dann auch noch so ein Kommentar kommt, dann kann es - je nach Stimmungslage - passieren, dass die Essgestörte alles über Bord wirft und Gedanken bekommt wie: „Stimmt, er hat recht. Eigentlich sollte ich das gar nicht essen.“ Dieser eine Satz hat also die Macht, das ganze hart erarbeitete Verhalten mit einem Mal zu untergraben.

Was kannst du stattdessen tun?: Auch hier wäre es wieder am besten, das Essverhalten gar nicht zu kommentieren. Aber was du grundsätzlich immer sagen kannst, sind Dinge wie: „Ich bin total stolz auf dich.“ „Du machst das richtig gut.“

3.

„Die paar Kilo mehr stehen dir richtig gut!“ / „Du siehst jetzt viel gesünder aus!“


Hintergrund: Hier gibt es nicht viel zu sagen. Zu der Genesung von einer Essstörung gehört in den allermeisten Fällen eine Zunahme dazu. Und die fällt auf.

Wie es bei der Essgestörten ankommt: Eine Zunahme ist das sensibelste Thema überhaupt. Und auch wenn derjenige, der die oben genannten Sätze sagt, damit nicht meint: „Du hast aber ganz schön zugenommen!“ so kommt es doch genauso beim Betroffenen an. Als Essgestörter weiß man, dass man zunimmt. Man nimmt jedes Kilo wahr und es ist die Hölle. Manchmal kann es helfen, wenn man sich einredet, dass die Zunahme vom Umfeld nicht bemerkt wird, auch wenn man weiß, dass das nicht der Wahrheit entspricht.

Was kannst du stattdessen tun: Hier solltest du dich ganz klar an die Regel halten: Äußere dich NIEMALS zu der Figur einer Essgestörten. Vollkommen egal in welchem Stadium sie sich gerade befindet. Hier wird jedes einzelnen Wort, das du sagst sofort auf die Goldwaage gelegt und die Essgestörte denkt über einen Satz, den du nur so im Vorbeilaufen sagst womöglich tage- und wochenlang nach. Was du sagen kannst, sind die Dinge wie: „ Du strahlst total!“ oder „Du siehst toll aus!“ (dabei bitte keinen abschätzenden Blick auf den Körper!)

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