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Die richtige Ernährung nach einer Essstörung

Ich habe schon oft davon berichtet, dass ich der Meinung bin, dass man gerade nach einer Essstörung ganz besonders auf seine Ernährung achten sollte, da diese einen großen Einfluss auf die Psyche hat. Es gibt eine Menge Menschen, die mir da widersprechen und die behaupten - genauso wie viele Psychotherapeuten - dass man sich von Anfang an dazu zwingen sollte, Kuchen, Pizza und Schokolade zu essen. Ich halte das für einen fatalen Fehler, aber beginnen wir von vorne.

Der Grund, warum ich nicht müde werde, über dieses Thema zu sprechen ist, dass ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass mir von Therapeuten geraten wurde, mich direkt nach meiner Bulimie wieder „normal“ zu ernähren. Mit „normal“ ist eine durchschnittliche deutsche Ernährung gemeint - sprich belegte Brote, Fruchtjoghurt, Kuchen, Pasta, Süßigkeiten usw. Ich habe mich zu dieser Zeit auch damit befasst, wie die Ernährung in Kliniken für Essgestörte aussieht und auch hier musste ich feststellen, dass essgestörte Menschen gezwungen werden, täglich Zucker, Weißmehl und tierische Fette zu sich zu nehmen.

Das große Problem ist, dass Bulimie und auch Binge Eating als nicht-stoffgebundene Süchte klassifiziert sind. Das bedeutet, dass sie im Gegensatz zu z.B Alkoholismus (Stoff = Alkohol) an keinen Stoff gebunden sind, sondern dass es rein psychische Erkrankungen sind. Diese Annahme hat mich selbst zur Verzweiflung gebracht. Ich war an einem Punkt, an dem ich wusste, was in meiner Vergangenheit schief gelaufen ist, was mit meiner Psyche nicht stimmt. Und trotzdem hat sich an diesem unendlichen Verlangen, mich mit ungesunden Nahrungsmitteln vollzustopfen nichts geändert. Sobald ich auch nur ein Lebensmittel gegessen habe, dass ich mir außerhalb von Fressanfällen verboten habe, hatte ich einen heftigen Rückfall. Ich war machtlos, konnte mich einfach nicht kontrollieren. Das hat mich immer weiter in einen Sumpf aus Selbstvorwürfen und Verzweiflung gezogen. Und dann wurde mir von Therapeuten gesagt, dass das Essen nicht das Problem ist!? Mir war klar, dass da irgendwas nicht stimmen kann.

Also habe ich begonnen, mich nicht mehr auf die Meinung von „Fachleuten“ zu verlassen sondern habe den Mut gefasst, selbst auszuprobieren, was mir gut tut. Ich habe selbst erlebt, was für einen enormen Einfluss die richtige Wahl der Lebensmittel auf die Psyche haben kann.

Ich habe mein essgestörtes Verhalten analysiert und mir wurde bewusst, dass es nicht einmal vorgekommen ist, dass ich bei einem Fressanfall zu unverarbeiteten Lebensmitteln gegriffen habe. Es waren immer Lebensmittel, die aus einer Kombination aus Industriezucker, Fett und oft Weißmehl bestanden. Oder habt ihr schonmal von jemandem gehört, der bei seinem Fressanfall Brokkoli, Karotten oder Kartoffeln (keine Bratkartoffeln oder Pommes!) gegessen hat? Warum also nicht einfach mal versuchen, den Stoff, der den Fressanfall auslöst, zu vermeiden, genauso wie der Alkoholiker den Alkohol meidet? Wäre nicht das der richtige Ansatz, um es überhaupt wieder zu schaffen, Nahrungsmittel bei sich zu lassen und den Körper zu regenerieren?

Ich selbst habe es geschafft, durch den Verzicht auf Zucker, Weißmehl und raffiniertes Fett ein normales Essverhalten zurück zu erlangen. Ich habe begonnen, mich vollwertig vegan zu ernähren. Zu Beginn habe ich mir nur eine sehr kleine Gruppe an Nahrungsmittel erlaubt, aber mit der Zeit ist es immer mehr geworden. Ich habe Stück für Stück die Angst verloren. Aber es war wichtig für mich, das Ganze in meinem eigenen Tempo zu machen. Mich nicht zwingen zu lassen. Heute esse ich ab und an auch wieder Lebensmittel mit Industriezucker, Pizza oder Burger (natürlich immer vegan;)). Aber selbst wenn du das nicht möchtest, ist das vollkommen okay. Du selbst entscheidest, was du isst und was nicht. Mach dich nicht abhängig von der Meinung andere sondern beginne, dir und deinem Körper wieder zu vertrauen!

Es gibt auch diesmal bestimmt wieder kritische Stimmen, die sagen, dass das, was ich empfehle nur eine Verlagerung der Essstörung ist und das man das Orthorexie nennt. Dem widerspreche ich auch gar nicht. Aber für mich und für ganz viele andere ist das der einzige Weg, überhaupt wieder essen zu können. Wer nicht am eigenen Leib erfahren hat, wie es sich anfühlt, keine Kontrolle mehr über seinen Körper zu haben, der sollte lieber nicht zu schnell urteilen.

1 Kommentar

  1. Madline Oppelt sagt:

    Das trifft es so exakt!
    Ich wünschte ich hätte meiner Therapeutin diesen Eintrag zeigen können bevor sie meine Behandlung wegen meiner Weigerung, sofort „normal“ zu essen (mit Franzbrötchen etc), abgebrochen hat. Angeblich sollte ich es mit dieser Einstellung gar nicht woanders versuchen brauchen, denn jeder Therapeut und alle „Manuals“ würden das verlangen.

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